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5 Mythen des E-Learnings

Michael Lindner

Michael Lindner

E-Learning entwickelt sich dynamisch und es gibt heute verschiedensten Formaten und Angeboten. Trotzdem halten sich einige hartnäckige Vorbehalte gegenüber digitalen Lernformen. Diesen fünf Mythen zum E-Learning begegne ich immer wieder.

1. Geringere Lernerfolge beim E-Learning

Laut dem ersten Vorurteil ist E-Learning einfach nur eine Notlösung, bei der der die Lernerfolge deutlich geringer sind als in traditionellen Lernsettings. Laut diesem Mythos zum E-Learning bietet das klassische Unterrichtssetting die beste Möglichkeit, Inhalte und Wissen zu vermitteln. Das Vorurteil kommt zum Teil auch aus schlechten Angeboten zum digitalen Lernen. Solange PDFs im Stil eines Handbuchs mit einzelnen Coachingeinheiten noch als “E-Learning” verkauft werden, erscheint digitales Lernen selbstverständlich als Notlösung.

Aber eine solche simple Umsetzung von digitalen Lernen ist schon lange nicht mehr der Standard. E-Learning Angebote sind in den letzten Jahren sehr viel professioneller geworden. Inzwischen können Sie ganze Studiengänge als digitale Lerneinheiten absolvieren. Etwa bei den großen internationalen Anbietern EdX oder Coursera. Und auch Webinare können interaktiv und ansprechend gestaltet sein. In der Forschung gibt es einen differenzierten Befund zum Lernerfolg von E-Learning. Generell gibt es beim E-Learning keine signifikant schlechteren Lernergebnisse im Vergleich zu klassischen Lernsettings. Im Gegenteil sind Blended-Learning Formate häufig klassischen Lernformaten überlegen. Entscheidend ist auch hier die konkrete Umsetzung. Genauso wie bei traditionellen Lernangeboten hängt die Qualität nicht so sehr am Einsatz einer bestimmten Methode oder eines Tools. Entscheidend für die Qualität ist vielmehr die konkrete Umsetzung des Lernangebots und nicht so sehr, ob es digital oder nicht digital stattfindet.

2. Digitales Lernen ist langweilig

Auch dieser Mythos speist sich häufig aus schlechten Erfahrungen mit digitalen Lernangeboten. E-Learning, insbesondere in der Anfangszeit des digitalen Lernens, folgte einer eher bescheidenen Didaktik. Digitales Lernen muss heute aber nicht mehr eine Abfolge von Videos mit Multiple-Choice Tests sein. E-Learning kann über Spiele stattfinden, als Serious Games. Oder es gibt Simulationen und Videos, mit denen die Lernenden interagieren. Eine große Chance beim E-Learning sind digitale Gruppen- oder Projektarbeiten. Hier haben digitale Lösungen sogar einen Vorteil gegenüber einer klassischen Lernveranstaltung. Digitale Gruppenarbeiten können unkompliziert digital organisiert werden und ermöglichen auch Teilnehmern von verschiedenen Orten die Zusammenarbeit. Das macht sogar internationale Lernprojekte möglich. Lernen kann auch über soziale Netzwerke stattfinden oder in eigenen Learning-Communities. Ein deutsches Beispiel sind etwas die Eduanten um Nele Hirsch. Kurz gesagt: Es gibt genügend Möglichkeiten für spannendes digitales Lernen, gelangweilte Teilnehmer ist eher ein Zeichen für ein schlechtes Konzept!

3. Es gibt kaum sozialen Austausch beim digitalen Lernen

Das schließt an den vorherigen Punkt an und ist ein Mythos, der nur auf eine bestimmte Form des digitalen Lernens zutrifft. Sozialer Austausch ist generell für Lernprozesse hilfreich, nicht jede/r ist ein geborener Autodidakt. Ein Kurs am Computer ist erstmals eine sehr einsame Veranstaltung. Aber auch diese Erfahrung mit digitalen Lernen hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Heute sind alle digitalen Lernangebot in irgend einer Weise auch webbasiert. Auch eine App zum Sprachenlernen hat eine Schnittstelle zum Internet. Oder ihr Kurs wird in irgendeiner Weise über das Internet vertrieben und gestreamt. Und durch diese zunehmende Vernetzung wird auch die Kommunikation im E-Learning dichter.

Ein Austausch kann etwa über digitale Lern-Communitys stattfinden oder ist in das Konzept des Lernangebotes eingegangen. Der soziale Austausch ist also möglich und machbar. Natürlich gibt es hier eine Einschränkung. Bei digitalen Lernangeboten ist der Austausch zwischen den Lernenden in der Regel medial vermittelt. Und das wiederum bedeutet, dass es technische Hürden geben kann und die sozialen Prozesse organisiert werden müssen. Deshalb ist das Thema Kommunikation und Gestaltung des sozialen Settings wichtig für die Entwicklung von digitalen Lernangeboten. Das muss gestaltet werden, aber es gibt viele Tools, die dabei helfen, digitale Lernangebot interaktiver zu gestalten.

4. E-Learning ist schwierig und kompliziert

Ist E-Learnings schwieriger als Lernen in klassischen Settings? Dieses Vorurteil lässt sich unterschiedlich verstehen. Zunächst wäre da der technische Aspekt. Die technischen Anforderungen sind in den letzten Jahren sehr viel einfacher geworden. Sowohl für Lehrende als auch Lernende ist heute E-Learning technisch relativ einfach umsetzbar. Sie können etwa heute digitale Lernkarten erstellen, indem Sie ein Autorentool wie H5P oder Storyline verwenden und diese Tools sind relativ benutzerfreundlich. Auch die Preise für notwendige Technik sind erschwinglich geworden. Es braucht keine Programmierfähigkeiten mehr, um ein gutes E-Learning Angebot zu erstellen. Und auch der Zugang für Lernende ist einfacher geworden.

In einem Aspekt ist E-Learning aber doch eine Herausforderung. Klassische Lernsettings haben den Vorteil, dass es sozialen Druck und stärkere Verbindlichkeiten gibt. Zwar gibt es auch soziales Lernen im Internet, aber die Gruppenbindungen sind natürlich weniger formell und können weniger stark ausgeprägt sein als in klassischen Lernsettings. E-Learning erfordert schon im höheren Maße Selbstdisziplin und Eigenmotivation. Das gilt insbesondere für digitalen Kursen, die zeitunabhängig stattfinden, diese brauchen einen stärkeren Antrieb, um dranzubleiben. Deshalb ist der Mythos teilweise richtig. E-Learning kann eine Herausforderung sein, technisch ist E-Learning heute nicht sehr kompliziert oder schwierig.

5. E-Learning eignet sich nur für einige Themen

In diesem Mythos ist häufig mit einer teilweisen Anerkennung von E-Learning verknüpft. Ich treffe immer wieder auf die Meinung, dass digitales Lernen zwar schön und gut ist, sich aber nur für technische Fächer, Informatik oder Wirtschaftswissenschaften eignet. Alle Themen, bei denen praktische oder sozialen Fähigkeiten gefragt sind, sind dagegen für digitales Lernen ungeeignet. Ganz falsch ist das natürlich nicht. Wer möchte sich schon einem Chirurgen anvertrauen, der nur mit einem virtuellen Skalpell gearbeitet hat? Oder können Sie sich einen Lehrer vorstellen, der ohne Praxiserfahrung an der Schule startet? Viele Fähigkeiten müssen auch praktisch geübt werden oder brauchen ein soziales Setting. Wenn es um Kommunikation geht oder um soziale Fähigkeiten, kommen Sie um eine Erfahrung im wirklichen Leben nicht herum.

Dennoch bin ich der Auffassung, dass sich alle Fähigkeiten – auch – digital vermitteln lassen. Das gilt etwa für soziale Fähigkeiten. Sie können zum Beispiel Verhaltensweisen in Form von Videos und digitalen Szenarien üben. Ein eindrucksvolles Beispiel ist das interaktive Szenario A Home Visit, bei der die Lernenden den Hausbesuch einer Sozialarbeiterin absolvieren. In diesem Szenario bekommen die Lernenden Videos eines Hausbesuches gezeigt und müssen soziale Situationen korrekt einschätzen. Dadurch lernen Sie auch soziale Fähigkeiten in einer digitalen Lernumgebung. Auch in der Medizin können Teilbereiche gut mit E-Learning absolviert werden, zum Beispiel die Interpretation von Röntgenbildern. Mit den heutigen Möglichkeiten lassen sich also interaktive und anspruchsvolle E-Learning Szenarien umsetzen. E-Learning ist also nicht auf bestimmte Themen beschränkt und muss keine Abfolge aus Filmen und Multiple-Choice Tests sein.

Artikelbild: Broken plate broken food / Quelle: pikist.com CC0

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