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Trends im E-Learning: Diese vier Entwicklungen werden in Zukunft wichtig

Michael Lindner

Michael Lindner

Während ich hier schreibe, hat sich E-Learning in vielen Bereichen fest etabliert. Die Entwicklung ist rasant, einige Beobachter der Industrie gehen von einem weiteren Wachstum aus. Das Lernen über das Internet hat sich inzwischen etabliert. Welche Trends im E-Learning gibt es für die kommenden Jahre? Wohin entwickelt sich das E-Learning und welche neuen Nischen entstehen?

Es ist schwierig, Trends im E-Learning den Überblick zu behalten. Zu schnell hat sich digitales Lernen in den letzten Jahren entwickelt. Am Anfang waren noch viele Schulungen per CD oder DVD erhältlich, heute dagegen hat sich das Internet als Verbreitungsweg durchgesetzt. Spätestens seit der Popularisierung von MOOCs ist jedes E-Learning in irgendeiner Weise webbasiert. Aber nicht nur die Verbreitung, auch die Angebote haben sich verändert. Ich habe das ganz deutlich auf der LearnTech Anfang des Jahres mitbekommen. Es gibt heute eine große Zahl unterschiedlicher Lösungen und Angebote für ganz spezifische Anliegen im E-Learning. Einige Trends lassen sich aber beschreiben. E-Learning ist sehr viel vielfältiger, als häufig angenommen. Vier Trends im E-Learning scheinen mir wichtig zu sein.

1. KI und individualisierte Lernwege

Schule – Ausbildung – Studium und fertig für den Job ist schon lange vorbei. Eine standardisierte Ausbildung für größere Gruppen, um dann auf einer Arbeitsstelle zu bleiben ist schon langer nicht mehr der typische Fall im Berufsleben. Weiterbildungen sind wichtig und Angebote müssen heute viel individualisierter werden – eine große Chance für das E-Learning.

Denn Individualisierungen lassen sich in einem digitalen Lernszenario einfacher umsetzen, als in klassischem Lernen. Der Aufwand wird geringer und vor allem ist die Vermittlung von Inhalten einfacher über das Internet möglich. Dadurch lässt sich E-Learning kleiner gestalten (s.u.) und individuelle anpassen. Eine Individualisierung gibt es schon in gängigen Lernplattformen, da die Lernenden frei wählen können zwischen verschiedenen Angeboten. Einen Schritt weiter gehen Plattformen wie Degreed, die Bildung noch stärker individualisieren. Bei Degreed können Unternehmen und Einzelpersonen bestimmte Lernziele definieren und E-Learning Anbieter verlinken. Die Plattform schlägt dann Lernangebote vor, die auf das spezifische Lernziel passen.

In der Zukunft könnte die Entwicklung zur Individualisierung noch weiter gehen, wenn künstliche Intelligenz stärker für die Auswahl von Bildungsangeboten zum Einsatz kommt. Künstliche Intelligenz ist zwar heute noch sehr beschränkt. Allerdings kann es in Zukunft Systeme geben, die in der Lage sind Menschen wirklich zu beraten. Ein solches System könnte als ein Berater für Lernen sein und Menschen dabei unterstützen, ihren individuellen Lernpfad zu finden. Die Stärke eines solchen Systems läge auch darin, dass es über die Auswertung der Nutzerdaten eine ganz individuelle Lösung vorschlagen könnte. Auch aus Erfolgen und Misserfolgen könnte ein solches System lernen und die Auswahl von Fortbildungen viel genauer an Ziele und Kompetenzen anpassen.

2. Mini – Mikro – Nano: Lernen in kleinen Einheiten

Das Lernen in kleinen Einheiten ist schon seit Längeren ein Trend im E-Learning. Diese Entwicklung nutzt eine Stärke digitaler Technologien aus. Einmal bestehende Inhalte können ohne größeren Aufwand rekombiniert werden. Dadurch wird es einfacher, Inhalte in kleine Einheiten zu zerlegen und als Lernmodule anzubieten. Audacity bietet bereits länger sogenannte Nanodegrees an. Eine ähnliche Entwicklung gibt es bei Coursera und EdX mit MiniMaster Programmen. Diese Zerlegung in kleine Einheiten bietet für den Nutzer den Vorteil, dass sie einfacher gewünschte Inhalte lernen können. Anstelle einer langwierigen Schulungen zu einem Thema können die Nutzer sich die spezifischen Module heraussuchen, die für sie relevant sind. Das wirkt sich auch sehr positiv auf die Motivation aus. Digitales Lernen wird weniger langweilig, wenn Sie es in der Hand haben.

Die Motivation vor allem von Lernenden im Erwachsenenalter steigt, wenn Sie mit den Inhalten ein konkretes Problem lösen können und die Inhalte umsetzen. Die stärker Modularisierung und Angebote in kleinen Einheiten hilft bei der selbständigen Gestaltung der eigenen Lernbiographie. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist sicher die einfache Integration in den Alltag. Ein minimalistisches Lernangebot ist einfacher im Alltag umsetzbar als eine sehr zeitintensive Fortbildung. Ulrich Ivens beschreibt in einem Beitrag Mikrofortbildungen in einem nichtformalen Lernsetting. In diesen kurzen Fortbildungen werden Inhalte Peer-to-Peer vermittelt und es geht darum, die Einheiten so klein zu halten, dass sie mühelos in den Alltag passen.

3. Mobile first. Lernen wird mobil

Die Nutzung von mobilen Endgeräten ist schon seit Längeren einer der wichtigsten Trends im E-Learning. Bereits vor über 10 Jahren haben Anbieter wie Knowledge Fox und das Institute of Microtraining das Lernen per Smartphone populär gemacht. Inzwischen gibt es viele digitale Lernapp, die digitales Lernen per Smartphone ermöglichen. Aber auch in vielen eher klassischen Settings ist das Smartphone eine wichtige Ergänzung für das E-Learning. So lassen sich MOOCs von Coursera über das Smartphone nutzen. Das Lernen per Smartphone schätze ich persönlich sehr. Ich habe im Alltag häufig viele Zeiten, in denen ich unterwegs bin und ich nutze die Zeiten gerne für Lesen oder eben für das Lernen.

Für Anbieter ist dieser Trend sicher wichtig. Kein digitales Lernangebot wird in Zukunft ohne eine mobile Version funktionieren. Das muss nicht bedeuten, dass alle Anbieter eine App veröffentlichen müssen. Aber digitale Angebote müssen mobil zugänglich und nutzbar sein.

4. Virtual Reality für das Lernen der Zukunft

Von den genannten Trends im E-Learning finde ich diesen Trend am schwierigsten einzuordnen. Virtual reality ist schon länger als eine neue Schlüsseltechnologie im E-Learning angesehen. Und das ist auch sehr plausibel. Beim E-Learning fehlt nach wie vor die räumliche Dimension, die in vielen Lernsettings zentral ist. Vor allem, wenn es darum geht, soziale Fähigkeiten zu lernen, ist eine direkte Begegnung nach wie vor unumgänglich. Oder wenn es um technische bzw. manuelle Fähigkeiten geht. Auch in diesem Fall muss die Fähigkeit in der realen Situation geübt werden. Virtual Reality könnte diese Lücke beim E-Learning schließen. Über die Datenbrille können Sie in eine Situation eintauchen und sie immersiv erleben. Auch das Erleben von Ruam und Körpersprache wird möglich.

Damit lassen sich neben sozialen auch technische Fähigkeiten üben. Ich habe schon Anwendungen gesehen, bei der die Lernenden mit Datenbrille und Controllern Schweißen lernten. Oder die technischen Handgriffe beim Betanken eines Lastwagens lernten. Das große Aber ist sicher noch die relativ hohen Hürden bei der Umsetzung. Während E-Learning immer einfacher, unkomplizierter und mobiler wird, ist bei Virtual Reality noch ein relativ großer Aufwand nötig. Datenbrillen werden zwar sehr viel günstiger, wenn Sie aber Räume simulieren möchten und wenn die Lernenden bestimmte Handgriffe lernen sollen, dann wird es schnell komplizierter und kostspieliger. Bis jetzt nutzen auch aus diesem Grund nur größere Unternehmen Virtual Reality. Ich hoffe, dass sich das ändert, denn Potenzial hat die Technik, wie das Beispiel von Hilton zeigt.

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