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Wie Webinare gelingen – Erfahrungen aus der Corona-Zeit

Michael Lindner

Michael Lindner

Ab Mitte März änderte sich mein Alltag radikal – wie für fast alle. Meine Präsenzveranstaltungen musste ich sehr schnell auf E-Learning Formate umstellen. Am häufigsten habe ich Webinare oder digitale Vorlesungen gehalten. Das war eine steile Lernkurve, hat aber funktioniert. Es gibt einige Faktoren, die ein Webinar zum Erfolg machen oder nicht.

1. Einen Raum für digitale Begegnungen schaffen

Der erste wesentlich Unterschied zwischen Präsenzveranstaltungen und Webinare ist der fehlende Raum. Das ist trivial, aber mir ist erst durch diese Erfahrung deutlich geworden, welche Rolle der Raum in Trainings und Seminaren spielt. Alleine schon mit der Anwesenheit wird soviel kommuniziert. Körpersprache, aber auch Räumlichkeiten für Gruppenarbeiten sind einfach weg. Sie haben einfach Kacheln auf dem Computer und Sie bekommen nicht ganz mit, wie die Teilnehmenden dabei sind. Vor allem, wenn die Kamera ausgeschaltet wird.

Deshalb ist es ganz wichtig, einen digitalen Raum für Begegnungen zu schaffen. Es ist sehr wichtig, die Bedingungen für die Begegnung im Webinar deutlich zu formulieren. Sie können die Teilnehmer darum bitten, die Kameras anzulassen, zumindest bei Redebeiträgen. Ganz wichtig war für mich die Gestaltung von Gruppenarbeiten und die Einbindung von Tools. Diese waren wunderbar geeignet, ein digitales Gruppenerlebnis zu schaffen. Das hatte teilweise witzige Effekte, da ich jede Veranstaltung mit anderen Tools um die Ecke kam! Aber Gestaltung der digitalen Zusammenarbeit war entscheidend für gut laufenden Webinare.

2. Vorbereitung, Vorbereitung, Vorbereitung

Der zweite Punkt, den ich schmerzlich erleben musste, waren die längeren Vorbereitungen. Generell dauert es länger, ein Webinar vorzubereiten im Vergleich zu einem klassischen Seminar. Das hatte ich am Anfang total unterschätzt, meine Vorbereitungen für Webinare sind um gut 30 Prozent länger als für klassische Präsenzveranstaltungen. Das liegt daran, dass es sinnvoll ist, in einem Webinar die einzelnen Schritte vorauszuplanen. Die in einem Webinar die einzelnen Schritte genauer vorauszuplanen. Die Auswahl der passenden technischen Lösung ist nur der Anfang!

Das hat einfach damit zu tun, dass die Interaktionen stärker geplant werden müssen. Während ich in einem “normalen” Seminar vieles situativ entscheide und auch Gruppenarbeiten anpasse, braucht eine Gruppenarbeit eine stärkere Vorbereitung im Webinar. Sie sollten die wichtigsten Dokumente zusammen haben und die Links für die Teilnehmenden müssen bereit sein. Wenn Sie mit Umfragen arbeiten, müssen diese vorbereitet werden. Dasselbe gilt für Interaktionen. Auch hier fehlt einfach die Körpersprache der Teilnehmenden. Sie sollten also auch zu Beginn klären, wann und wie Sie mit den Teilnehmern interagieren. Klingt abschreckend? Ist es auch zu Beginn. Ich mache allerdings auch die Erfahrung, dass mit mehr Routine auch wieder mehr Improvisation möglich ist. Vor allem mit Zoom lassen sich kleine Gruppenarbeiten mit den Breakout-Sessions unkompliziert improvisieren.

3. Eine Routine für den Start von Webinaren

Nichts ist ärgerlicher als ein Webinar, in dem der Referent die ganze Sitzung nach den richtigen Dokumenten sucht und im Computer herumrührt! Generell ist es natürlich toll, wenn es neben dem Referenten einen Moderator oder eine Moderatorin gibt. Viele Webinare werden aber nur von einer Person gehalten. Ich habe mir eine kleine Routine angewöhnt für die Vorbereitung, die ich ungefähr die letzte halbe Stunde vor dem Start durchgehe. Das Ganze ist Common Sense. Ich gehe einfach die Planung durch und prüfe, ob alle Dokumente und Links und Tools bereit sind. Und ob der Desktop frei ist!

Wenn ich das Webinar durchgehe, lege ich mir alle Links und Dokumente, die ich brauche zurecht. Alles sollte mit einem einfach Umschalten zwischen Fenstern oder einem Cop+Paste einsetzbar sein. Das ist vor allem für Gruppenarbeiten und für den User-Content wichtig. Neben den bekannten Etherpads und Padlets gibt es viele Tools, mit denen Sie Gruppenarbeiten gestalten können. Und das ist wichtig, diese Tools und Teilnahmelinks einsatzbereit zu haben. Bei einem komplexeren Aufbau bereite ich auch manchmal ein Dokument für die Teilnehmenden vor. In dem Dokument – meistens eine einfache Google-Docs Seite – notiere ich dann alle Link zu Umfragen, Gruppenarbeiten, digitalen Whiteboards usw., die im Webinar gebraucht werden.

4. Interaktionen sind wesentlich für gute Webinare

Nichts ist langweiliger als ein langer digitaler Vortrag über Zoom oder Teams. Gerade an Hochschulen werden gerne mal die laufenden Vorlesungen 1 zu 1 zu Webinaren oder Videos umgestrickt. Das werden dann 90 Minuten! Das Format der Vorlesung ist sowieso fragwürdig, für digitale Veranstaltungen gilt das noch mehr. Teilnehmende sind in Webinaren sehr schnell weg. Und das ist nicht verwunderlich. Es gibt keinen sozialen Druck und mit einem Klick ist man auf Youtube oder sonstwo.

Das bedeutet, Interaktionen sind ganz wesentlich für Webinare und E-Learning generell. Ich musste das lernen, wie anders Webinare verlaufen, wenn ich mir etwas Mühe mit der Gestaltung der Interaktionen gemacht habe. Und vielleicht auch Energizer eingesetzt habe neben den klassischen Rückfragen und Gruppenarbeiten. Manchmal können das auch kleine Interaktionen sein. Ein Blitzlicht im Chat kann bei großen Gruppen das Webinar viel interaktiver machen. Genauso sieht es mit Gruppenarbeiten aus. Ich habe gute Erfahrungen mit kurzen Gruppenarbeiten in sehr kleinen 2er und 3er Gruppen gemacht, bei denen die Teilnehmer einfach aus der passiven Haltung herauskamen. Mit diesen 21 Tools können Sie Webinare interaktiver und lebendiger gestalten.

Beitragsbild: Paper Plane the Hand Sky / Quelle pikist.com / CC0

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