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Lernen mit Medien – meine Prüfung am Learning Lab

Michael Lindner

Michael Lindner

Jetzt noch zwei Tage, dann habe ich meine erste Prüfung im Zertifikatskurs E-Learning Entwickler. Die Prüfung ist zum Thema Lernen mit digitalen Medien, der Kurs findet am Learning Lab der Universität Duisburg-Essen statt. Der zweite Kurs in diesem Semester ist digitale Tools, in dem ich ein Paper schreibe. Ich habe mich für die Weiterbildung Ende 2019 entschieden. Durch Corona hat die Ausbildung eine ganz neue Relevanz bekommen.

Für mich war es eine ungewohnte Erfahrung, wieder als Student zu lernen und eine Abschlussprüfung vorzubereiten. Zwar lerne ich immer wieder Neues dazu, das geht als Selbständiger auch nicht anders. Aber es ist schon etwas her seitdem ich so richtig akademisch gelernt habe, mit Literatur und Vorlesungen und abstrakten Themen. Meine Lebenssituation machte die Fortbildung zusätzlich zu einer Herausforderung. Ich bin voll berufstätig, habe Familie, die durch Corona extrem gefordert wurde. Ohne ein konsequentes Zeitmanagement war es nicht möglich, zwei Module in einem Universitätskurs zu absolvieren.

Der Kurs E-Learning Entwickler war sowieso als Blended-Learning Angebot konzipiert. Die Umsetzung in eine rein digitale Version war also unproblematisch. Anders als viele E-Learning-Angebote ist der Kurs für Berufstätige gedacht, viele Inhalte sind in einer rein digitalen Form zugänglich. Die zeitliche Flexibilität war absolut notwendig, um die Studienmodule zu absolvieren. Neben den abgefilmten Vorlesungen gibt es interaktive Elemente. Kleine Umfragen und Reflexionsübungen sind in den Kurs integriert und helfen dabei, sich aktiv mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Dazu gab es einige Treffen per Videomeeting, damit die Gruppe auch einen persönlichen Austausch pflegen konnte.

Zeitmanagement ist fast alles

Die größte Umstellung war für mich, regelmäßige Studienzeiten einzuhalten. Ohne regelmäßige Wiederholungen lässt sich der Kurs nicht absolvieren, dazu sind die Themen zu komplex und es gibt zu viele wichtige Details. Das regelmäßige Nacharbeiten und Wiederholungen der Inhalte habe ich halbwegs hinbekommen. Ich versuchte jeden Abend etwas zu wiederholen. Das war ganz effektiv. Unterstützt wurde das Lernen durch die Taktung des Kurses. Alle zwei bis drei Wochen gab es kleine Aufgaben, die man als Student erledigen musste. Das waren manchmal kleine Texte zu einem Thema, manchmal mussten Screencasts erstellt werden, Theorien wurden angewendet oder ich durfte auch erste kleine E-Learning Einheiten erstellen.

Diese Taktung war sehr hilfreich, vor allem beim Studieren neben dem Beruf. Durch die regelmäßigen kleinen Abgabe war ich gezwungen, mich regelmäßig mit den Inhalten zu beschäftigen. Vor allem, wenn ich noch eine Arbeitsgruppe organisieren musste, waren regelmäßige, kleine Schritte sehr wichtig.

Typische Lernaufgabe aus dem Learning Lab. Eine Mindmap zu verschiedenen E-Learning Szenarien erstellen.

Ich kenne solche Lerntakte vor allem aus amerikanischen Lernangeboten. An den Hochschulen in den USA ist es etwa üblich, alle zwei Wochen einen Essay zu einem Thema zu schreiben. Auch bei MOOCs ist die Taktung von Lerneinheiten typisch. Mir hat das stark dabei geholfen, wieder regelmäßig an einem Thema zu arbeiten.

Lehren mit Medien bedeutet Gestaltung von Medien

Eine der wichtigsten Aha-Erlebnisse war die Erkenntnis, dass digitales Lehren vor allem Gestaltung bedeutet. Wie ich bereits mit meinen ersten Präsenztrainings in der Coronazeit bemerkte, spielt die konkrete Aufbereitung und das Design der Lernumgebung eine ganz große Rolle. Das umfasst natürlich auch die Gestaltung der sozialen Situation, aber vor allem ist E-Learning auch eine Designaufgabe. Da eben das gesamte Lernen in Medien stattfindet und häufig auch die Interaktionen und der Austausch mit den Studierenden eingeschränkt ist, braucht es für ein gutes E-Learning eine gut ausgearbeitete Struktur und digitale Umgebung. Zugänglichkeit und Einfachheit sind hier wichtig. Genauso entscheidend ist die Gestaltung der didaktischen Anweisungen. Vieles, was in einem Präsenztraining improvisiert wird, muss im E-Learning geplant und zielgerichtet umgesetzt werden.

Zum Lernen mit Medien gehören auch Lernmaterialien. Auch hier habe ich einiges gelernt, wie Lernmaterialien besser funktionieren und wie sich Texte, Ton und Bilder besser kombinieren lassen. Ein richtiges Aha-Erlebnis war für mich, wie eindeutig die Forschungsergebnisse zur Wirkung von Designentscheidungen sind. Schlechtes Design von E-Learning Angeboten senkt die Motivation der Lernenden drastisch. Das können unübersichtliche Lernplattformen sein, oder aber schlecht gestaltetes Lernmaterial. Genauso negativ wirkt sich die fehlende soziale Betreuung eines Kurses aus. Wenn Hilfe nicht sichtbar ist und die Lehrenden nicht ansprechbar sind, sinkt die Bereitschaft der Lernenden, sich mit den Materialien auseinander zu setzen. Die Aufgaben als Lehrender ändern sich dadurch. Die Gestaltung und Optimierung von Medien und Lerninhalten wird wichtiger. Auch die aktive, digitale Betreuung eines Kurses wird wichtiger.

Digitale Medien bieten viele didaktische Möglichkeiten

Eine weitere Erkenntnis waren die didaktischen Möglichkeiten von E-Learnings. Häufig passiert beim E-Learning folgendes. Ein klassisches Format wird einfach digital umgesetzt. Auch da hat natürlich gewisse Vorteile – Stichwort Flexibilität und Zeitunabhängigkeit. Aber die Möglichkeiten bei E-Learnings sind deutlich breiter und vielfältiger, als häufig wahrgenommen. E-Learning kann auch ein Lernspiel sein, oder eine Simulation oder aber auch informelles Lernen über eine Internetplattform. E-Learning Formate sind deutlich vielfältiger als klassische Formate.

E-Learning ist noch viel zu häufig die simple Übertragung von analogen Formaten ins Digitale.

Noch sind die Grundlagen des E-Learnings etwas abstrakt. Ich hatte zwar schon viele Einblicke in die unterschiedlichen Umsetzungen von Kommilitonen. Die Lerntakte werden auf der Lernplattform veröffentlicht und sind für alle Teilnehmenden zugänglich. Ich freue mich deshalb auf das nächste Semester, in dem es stärker in die Praxis geht. Mein Modul für das Sommersemester ist die Gestaltung interaktiver Medien. Und dann gibt es noch ein Projektmodul, in dem wir längere E-Learning Einheiten erstellen. Für heute muss ich leider noch ein wenig lernen 😀.

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